Emissionshandel

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Emissionshandel in der Europäischen Union



Die EU hat entschieden, einen Emissionshandel von Treibhausgasen für das Jahr 2005 einzuführen, wenngleich es hierbei nur um Kohlendioxid und nur um bestimmte Industriezweige geht. Gestreute Quellen wie Straßenverkehr und die Beheizung von Gebäuden werden nicht eingeschlossen. Es ist beabsichtigt, den Handel später auf weitere Treibhausgase und weitere Aktivitäten auszudehnen. Diese Erweiterung wird teilweise relevant für den Zeitraum 2008 - 2012, wenn die Emissionsziele des Kyoto-Protokolls Gültigkeit erlangen.



Das System des EU Emissionshandels wird zu Anfang nur die Emissionen der folgenden CO2 Verursacher einschließen:

  • Heizkraftwerke
  • Ölraffinerien
  • Kohleöfen
  • Eisenverarbeitende Industrie
  • Eisen- und Stahlproduktion
  • Zement-, Glas- und Keramikindustrie
  • Zellstoff- und Papierindustrie

Bei den drei letzten Zweigen schließt der Emissionshandel auch nur relativ große Betriebe ein, deren Produktionskapazität eine bestimmte Menge überschreitet.

politische Verhandlungen

1. Politische Verhandlungen, rechts: Umweltminister Trittin (vergrößert, 77 kB)

Unternehmen in diesen Industriezweigen werden Erlaubniszertifikate von der Regierung des Landes erhalten, in dem sie ihren Sitz haben. Diese Zertifikate können an andere Firmen verkauft werden oder es können weitere Berechtigungen eingekauft werden, wenn sie notwendig werden. Die Europäische Kommission ging davon aus, dass die Berechtigungen ca. 15 EUR pro Tonne CO2 auf dem Emissionsmarkt kosten werden. Seit Start des Emissionshandels am 01.01.2005 hat sich der Kurs nach oben entwickelt, sind dann wieder gefallen und haben sich auf einem Niveau von ca. 20 EUR stabilisiert. Unternehmen, die ihre Ziele verfehlen, werden eine Strafe von zunächst 40 EUR pro Tonne CO2 zahlen müssen und 100 EUR ab dem Jahr 2008. Das System wird Industriezweige abdecken, die für etwa 46% aller Emissionen der EU verantwortlich sind. Marktanalysten schätzen, dass der Handel auf dem Berechtigungmarkt im Jahr 2007 etwa 8 Mrd. EUR Volumen erreichen kann.

Wertentwicklung von Emissionserlaubnissen

2. Emissionszertifikate können gehandelt werden wie Aktien an der Börse. Ihr Wert schwankt je nach Angebot und Nachfrage. Quelle: www.CO2prices.eu

Der Markt wird zunächst auf Unternehmen innerhalb der EU beschränkt. Aber von 2008 an ist beabsichtigt, dass diese Firmen auch mit anderen Unterzeichner-Staaten des Kyoto-Protokolls in Handel treten können. Die Kommission hat ein Verfahren vorgeschlagen, wie das europäische System im Rahmen des Kyoto-Protokolls in den internationalen Markt integriert werden kann.

Die Versuchung des 'Frei-Fahrscheins' (free ride)

Als 'free ride' bezeichnet man im englischen Slang die Inanspruchnahme eines Dienstes, ohne wirklich die Kosten hierfür zu tragen. Die Versuchung ist groß ... Seit Ende der 80er Jahre haben immer wieder internationale Verhandlungen stattgefunden, um Emissionen einzuschränken. Es ist aber äußerst schwierig, zu Beschlüssen über konkrete Schritte zu kommen, die wirklich etwas bewegen.

Regierungen sind oft nicht willens, notwendige Maßnahmen zur Reduzierung von Emissionen durchzuführen. Dadurch wird 'free riding' zu einer Versuchung. Es bedeutet, anderen Ländern die Last der Reduktion von Emissionen zu überlassen. Von einem stabileren Klima mit weniger menschgemachten Veränderungen profitieren wir alle, unabhängig davon, ob wir selbst mehr oder weniger zu den Emissionen beigetragen haben. Hinzu kommt, dass viele Länder befürchten, wenn sie an ihren Industriestandorten strikte Bestimmungen durchsetzen, dass die Betriebe ins Ausland abwandern, wo die Umweltbestimmungen weniger scharf sind.

politische Verhandlungen

3. Politische Verhandlungen (vergrößert, 84 kB)

Eine Lösung kann in Vereinbarungen bestehen, in denen jedes Land einen Teil der Last tragen muss. Erfolgt der Beitrag nicht, so greifen entsprechende Strafen. Es ist jedoch nicht einfach, weltweit zu einer Vereinbarung zu kommen, wie eine faire Verteilung der Reduktion von Emissionen aussehen kann. Die Länder sind zurückhaltend darin, Verträge abzuschließen, die effektive Sanktionen einführen, die in der Zukunft auf das Land selbst zurückfallen könnten. Zudem gibt es so gut wie keine Möglichkeit, diejenigen Staaten zur Rechenschaft zu ziehen, die dem Abkommen nicht beitreten. Es gibt keine Weltregierung und keine Weltpolizei, die Regeln internationaler Umweltabkommen durchsetzen kann. Diese Hürden erklären, warum es so schwierig ist, erfolgreiche Vereinbarungen zur Reduktion von Emissionen zu erreichen.



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About this page:

Author: Camilla Schreiner - CICERO (Center for International Climate and Environmental Research - Oslo) - Norway.
Scientific reviewers: Andreas Tjernshaugen - CICERO (Center for International Climate and Environmental Research - Oslo) - Norway - 2004-01-20 and Knut Alfsen - Statistics Norway - Norway - 2003-09-12.
Educational reviewer: Nina Arnesen - Marienlyst school in Oslo - Norway - 2004-03-10.
Übersetzung 2004 und letzte Überarbeitung 2007-09-02: Elmar Uherek, MPI Mainz

Last modified: Thursday, 8 November 2018, 2:43 PM