Warum ist Trockenheit im Mittelmeerraum von so großer Bedeutung?

Warum ist Trockenheit im Mittelmeerraum von so großer Bedeutung?

Schwankungen im Niederschlag

Die Klimate des Mittelmeerraumes sind durch trockene und heiße Sommer geprägt sowie durch kalte und nasse Winter. Sie gehören zu den variationsreichsten Klimaten der Erde. Periodisch wiederkehrende Probleme mit der Trockenheit betreffen oft ganze Länder über mehrere Jahre und können zu großen sozialen Problemen führen.

Der Niederschlag fällt vor allem in der Zeit zwischen Oktober und März (in den südlichen Staaten wie Algerien oder Marokko) teilweise auch bis in den April hinein (in den nördlichen Staaten wie Portugal oder Italien). Die mittlere Temperatur sinkt mit zunehmender Höhe und geographischer Breite. Das Wetter ist durch eine starke Schwankung über das Jahr hinweg geprägt. Die Sommerniederschläge liegen in allen Regionen deutlich unter 100 mm Niederschlag. Einzige Ausnahme sind die nordwestlichen Regionen, d.h. der Norden von Spanien und Portugal. Die Ausprägung der Trockenzeiten schwankt von Jahr zu Jahr erheblich.

In jeder Jahreszeit muss die Wasserversorgung auf den Bedarf abgestimmt werden. Während der Trockenzeit führt der Wassermangel oft zu Konflikten unter den Wassernutzern, z.T. auch zu grenzüberschreitenden Streitigkeiten. Nicht zuletzt der Kampf um Wasserrechte war z.B. in Israel ein Grund für militärische Auseinandersetzungen.

Klimadiagramme

1. Klimadiagramme für Lérida und Almería
Quelle: CEDEX

Die Abbildungen zeigen die unterschiedliche Verteilung von Niederschlägen, Temperatur und Sonnenstrahlung für zwei verschiedene Regionen in Spanien.

Lerida ist eine Region im Nordosten des Landes, die durch große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter geprägt ist. Die Verteilung des Niederschlages ist jedoch relativ gleichmäßig. Die Regenfälle zeigen einen Anstieg im Frühjahr und im Herbst und ein Minimum in den Sommermonaten.

Die Region Almeria liegt etwa 500 km weiter im Süden. Hier können wir sehr große Unterschiede in der Menge und Verteilung der Niederschläge feststellen, wie die Grafik verdeutlicht. Auch die Temperatur zeigt ausgeprägte Schwankungen, ist jedoch gleichmäßiger als in Lerida. Die Regenmengen sind über das ganze Jahr hinweg niedrig, ganz besonders jedoch im Sommer, wenn fast überhaupt kein Niederschlag mehr fällt.

Landwirtschaft

In den Ländern um das Mittelmeer ist die Landwirtschaft derjenige Wirtschaftszweig, der den höchsten Flächenbedarf hat (mehr als 50% der gesamten Landfläche), vor allem aber hat sie den höchsten Wasserbedarf. Er beträgt über 80% des gesamten Wasserbedarfs in den afrikanischen Ländern und über 60% in der nördlichen Mittelmeerregion und in den Staaten des südlichen Europa. Die ungünstigen Auswirkungen der Trockenheit treffen die Agrarwirtschaft somit unmittelbar.

Die Trockenperioden wirken sich auf die Nahrungsmittelproduktion und die Gewährleistung der Verfügbarkeit von Nahrung aus. Der Ackerbau gehört seit mehreren Jahrtausenden zur Tradition der mediterranen Kultur und die Landwirte sind sich des Problems der Trockenheit wohl bewusst. Der bewässernde Ackerbau ist in der Region sehr weit verbreitet, um die Ziele der Nahrungsmittelproduktion zu erreichen. Er verschärft jedoch die Probleme während der Trockenperioden. Mehr und mehr machen sich in den letzten Jahren die Experten im Bereich Nahrungsversorgung Gedanken um den Zustand der derzeitigen und zukünftigen Verfügbarkeit von Wasser.

Wassernutzung in Spanien und Norwegen

2. Wassernutzung in verschiedenen Sektoren in Spanien und Norwegen: Landwirtschaft (grün), Industrie (grau) und Hausgebrauch (gelb)
Entnommen aus: AQUASTAT, FAO

Die Abbildung zeigt die verschiedene Verteilung in der Wassernutzung, einmal für ein nordeuropäisches Land, einmal für ein Land der Mittelmeerregion.

Wie erwähnt, entfallen in Ländern wie Spanien wesentlich höhere Wassernutzungsanteile auf die Landwirtschaft, während in Norwegen anteilig deutlich mehr Wasser in die Industrie investiert wird. Insgesamt wird in Spanien etwa 18mal mehr Wasser verbraucht als in Norwegen, bei einer rund 10 mal höheren Bevölkerung.

Die zweite vergleichende Abbildung verdeutlicht, dass Spanien nur etwa zu einem Viertel der Wassermenge Zugang hat, die in Norwegen verfügbar ist. Der Bedarf ist gleichzeitig aber wesentlich höher. Aus der geringen Verfügbarkeit und der hohen Nutzung von Wasser resultieren entsprechende Probleme und Spannungen.

Wasserverbrauch in Norwegen und Spanien

3. Der Wasserverbrauch in Norwegen und Spanien (gelb gezeigt) ist der Anteil erneuerbarer Wasservorräte. Die Höhe des grünen Quadrates markiert die Gesamtwassernutzung im Land.
Entnommen aus: AQUASTAT, FAO

Soziale und politische Aspekte

Wasser ist in den Staaten des Mittelmeerraumes mehr als nur eine Ware. Es ist ein Kulturgut von besonderer Bedeutung. Die politischen Debatten werden mit einer dem entsprechenden Leidenschaftlichkeit geführt.

Es gibt durchaus effektive Maßnahmen, um mit dem Mangel umzugehen. Sie sind jedoch nur sehr schwer einzuführen, da verschiedene Interessengruppen miteinander in Konkurrenz stehen und oft keine geeigneten Verhandlungswege für die politische Durchsetzung gefunden werden können. Eine verbesserte Situation im Austausch zwischen Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern könnte für die zukünftige Wassernutzung in der Region von großem Vorteil sein.

Die sozialen Auswirkungen der Wasserknappheit im Mittelmeerraum nehmen zu, vor allem auf Grund der vielen unterschiedlichen Nutzer- und Interessengruppen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Probleme verschärfen. Eine weitere Barriere, die einer Effizienzsteigerung im Wege steht, sind die kulturellen Vorbehalte gegen eine Einschränkung der Wassernutzung.

About this page:

Author: Marta Moneo and Ana Iglesias- Universidad Politécnica de Madrid - España
1. Scientific reviewer: Alex de Sherbinin - CIESIN, Columbia University - USA
2. Scientific reviewer: Lily Parshall - Goddard Institute for space studies, Columbia University - USA
Educational reviewer: Emilio Sternfeld - Colegio Virgen de Mirasierra - España
Letzte Überarbeitung: 2007-09-11

Last modified: Sunday, 29 December 2019, 3:10 PM