Kurzzeitige Vorhersagen durch Pflanzen und Tiere

Können Tiere und Pflanzen uns helfen, das Wetter oder hiermit zusammenhängende Naturereignisse
vorherzusagen? In der volkstümlichen Wettervorhersage gibt es manche solcher Regeln - und in einigen Fällen auch eine wissenschaftliche Begründung hierfür.
Es ist bekannt, dass Hunde und Katzen spüren, wenn ein Tornado oder ein Erdbeben bevorsteht. Vögel schlafen früh und füttern intensiv, wenn sie Regen oder Schnee erwarten. Schweine und Eichhörnchen sammeln mehr wärmendes Material für ihre Wohn- und Ruhestätten, wenn kaltes Wetter bevorsteht.

Pflanzen und bestimmte Pilze können feuchtes oder trockenes Wetter mit recht hoher Genauigkeit vorhersagen. Vogelmieren, Löwenzahn, Buschwindröschen, Klee und Tulpen falten die Blütenblätter zusammen, bevor ein Regenguss beginnt. Es gibt Pilze, die sich bei Regenwetter öffnen und bei Trockenheit schließen. Denn Pilze treten ebenso wie Moose und Algen erst mit der Feuchtigkeit auf. Seetang, der bei Ebbe auf Felsen der Luft ausgesetzt ist, scheint sich bei erhöhter Feuchte, die nassem Wetter vorhergeht, zu regenerieren.

Löwenzahn

1. Löwenzahn hat ein Gespür für kommenden Regen

Wir betrachten einige sehr alte Wetterregeln, die kommendes Wetter mit dem Verhalten von Pflanzen und Tieren in Verbindung bringen. Manchmal können wir erklären, weshalb sie tatsächlich stimmen.

Katzen - "Wenn sich die Katze leckt, gibt es gutes Wetter."  

Bei schönem Wetter ist die relative Luftfeuchte niedrig. Bei diesen Bedingungen können sich Katzenhaare leicht elektrisch aufladen, wenn die Katze andere Gegenstände berührt. Denn Katzenhaare verlieren leicht Elektronen, so dass die Katze positiv geladen ist.
Das Lecken der Katze führt dazu, dass sich die Leitfähigkeit des Fells erhöht und die unangenehme Ladung leichter abfließen kann. Die Trockenheit macht die Katze sozusagen zum Isolator. Viele Katzen lassen sich im kalten Winter bei niedriger Luftfeuchte nicht gerne streicheln. Die Ladungen können manchmal in kleinen Funken überspringen und Katze wie Katzenfreund irritieren.

kleine Katze

2. Kleine Katze

Grillen - Die Grille ist ein hörbares Thermometer; ist es wärmer, so zirpt sie schneller.

Die wechselwarmen Grillen sind in der Tat sehr gut kalibrierbare Temperaturindikatoren, die ihre Zirpgeschwindigkeit recht genau der Außentemperatur anpassen. Eine amerikanische Regel besagt: Zähle die Zirptöne der Grille über 14 Sekunden, addiere 40 dazu und du hast die Temperatur in Fahrenheit, wo immer sich die Grille befindet. Eine andere Regel besagt: Zähle die Zirptöne über eine Minute, addiere 50 und teile durch 9, so ergibt sich die Temperatur in Grad Celsius.
Eine Dreisatzaufgabe mag lösen helfen, wie gut eine Fahrenheit und eine Celsius-Grille im Gleichtakt zirpen.

Grille

3. Die Grille als hörbares Thermometer
Quelle: Texas University Integrated Pest Management System

Fliegen – Fliegen beißen öfter, wenn es regnet.

Die Regel ist sicherlich nicht gut verifizierbar, aber Insekten werden generell lästiger, wenn das Wetter feucht ist. Hauptgrund ist, dass ihnen das Fliegen schwerer fällt. Kommt Wärme dazu, also schwüles Wetter, so wird der menschliche Schweiß auf der Haut zum beliebten Ziel. Zudem sendet der menschliche Körper bei niedrigerem Luftdruck mehr Geruchsstoffe aus. Fliegen und andere Insekten plagen uns daher vor Regenwetter bisweilen öfter, als zu anderen Zeiten.

Fliege

4. Fliege
Quelle: http://free-stock-photos.com/

Kühe -"Steht die Kuh mit dem Schwanz gen Westen, steht es mit dem Wetter (nicht) zum Besten"

(A cow with its tail to the west, makes weather the best; A cow with its tail to the east, makes weather the least.)

Diese Regel ist ein wenig von der Heimat der Kuh abhängig und stammt in diesem Fall aus New England (Ostküste der USA). Generell grasen Rinder gerne so, dass ihr Schwanz zum Wind hin steht. Dies ist ein natürlicher Instinkt, der sie einen Feind eher sehen läßt, der sich gegen den Wind annähert und daher kaum über Geruch oder Gehör wahrzunehmen ist. An der Ostküste der USA ist der Westwind oft ein Schönwetter-Wind, der Ostwind bringt den Regen. In Westeuropa ist es oft umgekehrt und der Schwanz der Kuh gen Westen bedeutet nicht unbedingt Gutes.

Kuh

5. Kuh

Möwen - "Möwe, Möwe, sitz auf dem Sand; es kommt der Regen, bist du bei der Hand"

"Sea gull, sea gull, sit on the sand; It's a sign of a rain when you are at hand."

Hinter der Regel steht das Flugverhalten der Vögel, die mehr Ruhepausen benötigen, wenn der Luftdruck stark sinkt. Vor einem Hurrikan beobachtet man  oft Scharen von rastenden Möwen. Vermutlich macht der niedrigere Luftdruck und die dünnere Luft das Fliegen beschwerlicher, ein anderer Grund kann das Ausbleiben von Aufwinden sein.

Möwe

6. Möwe
source: http://www.edenpics.com/

Blätter - Zeigen die Blätter ihren Rücken, steht Regen bevor.

Wenn Bäume wachsen, richten sich die Blätter nach dem vorherrschenden Wind aus. Kommt es zu Sturmwinden, die in der Regel keine vorherrschenden Winde sind, so kräuseln sich die Blätter rückwärts und zeigen ihre helleren Unterseiten.

Blätter

7. Blätter
Quelle: http://www.freefoto.com/

Ein Englischer Reim erzählt von der Wetterweisheit der "Pimpernel" (Anagallis avensis), zu deutsch Gauchheil:

"Pimpernel, pimpernel, tell me true /
Whether the weather be fine or no /
No heart can think, no tongue can tell /
The virtues of the pimpernel."

Erreicht die Luftfeuchte etwa 80%, so schließt sich die Blüte des Gauchheils. So öffnet sich auch hier die Blüte bei Sonne und schließt sich, wenn Regen bevorsteht.

Pimpernel/Gauchheil

8. Scarlet pimpernel / Gauchheil
Quelle: Cornell University, Department of Plant Pathology

About this page:
Compiled by Vera Schlanger - Hungarian Meteorological Service
Scientific reviewing: Dr. Ildikó Dobi Wantuch / Dr. Elena Kalmár - Hungarian Meteorological Service, Budapest
Last updated 2007-09-03
translation: Elmar Uherek - MPI Chemistry Mainz - 2005-04-24

Last modified: Sunday, 21 June 2020, 12:15 AM